Wurzeln, 14. Juli 2026
Liebe Freunde,
Wisst ihr eigentlich, was sich die Teilnehmer des Filmfestivals in Karlsbad schmecken lassen? Die Antwort auf diese Frage könnt ihr euch sicher schon denken. Aber im Ernst: Das Grandhotel Pupp, eine der Ikonen von Karlsbad, bezieht unseren Senf und bereitet daraus Delikatessen für seine Gäste zu. Auch das Kreisamt der Region Karlsbad hat begonnen, Gläser mit unserem Senf aus Nový Dvůr zu verschenken – und zwar gleich die trappistischen, damit man sie sich gut merkt.
Solche Gelegenheiten bedeuten für uns mehr als nur gute Werbung. Sie erinnern uns daran, dass wir allmählich Wurzeln in der Umgebung schlagen, die uns umgibt, und dass wir nicht nur ein Teil der Diözese Pilsen werden, sondern auch der Region Karlsbad, an deren östlicher Grenze unser Kloster steht.
Am Fest unserer zisterziensischen Gründerväter – der heiligen Robert, Alberich und Stephan – singen wir jedes Jahr in einer der Antiphonen: „Sie liebten den Ort, an dem sie lebten, und ihre Brüder.“ Vielleicht sind wir mit der Zeit gerade für diese Dimension der Liebe zu dem Ort, an dem wir leben, empfänglicher geworden.
Die Wurzeln unserer Gemeinschaft reichen bis nach Sept-Fons in Frankreich, doch die Geschichte von Nový Dvůr ist mit dem Prämonstratenserkloster Tepl, mit den Lebensschicksalen der sudetendeutschen Bewohner sowie mit den geschichtlichen Umbrüchen verbunden, die diese Region für immer geprägt haben. Falls ihr aus unserer Gegend stammt und Familienerinnerungen an Nový Dvůr bewahrt, würden wir uns sehr freuen, wenn ihr sie mit uns teilen würdet.
Anfang Juli machten bei uns Pilger auf ihrer alljährlichen Wallfahrt nach Skoky bei Žlutice Halt. Wir bewirteten sie mit Brot und unserem Aufstrich Patnut's und boten ihnen Balsam für müde Füße an. Das Gnadenbild der Jungfrau Maria von Skoky ist uns sehr teuer. Wir haben an seiner Restaurierung mitgewirkt und bei dieser Gelegenheit auch Kopien davon für unsere Klöster anfertigen lassen. Auch an der Fassade unseres Gästehauses ist die Jungfrau Maria von Skoky abgebildet. Gerne haben wir daher zusammen mit den Pilgern unsere Grüße und Fürbitten an diesen schönen und doch schwer geprüften Ort gesandt.
Unser eigentlichster Ort ist jedoch die Klausur. Sie ist keine Mauer, die uns von den Menschen fernhalten soll, noch ein Versteck vor der Welt. Wir sind hier für Gott, aber auch für alle Menschen, für die wir beten. Unser Herz soll frei sein – nicht damit es leer bleibt, sondern damit es die Anliegen möglichst vieler Menschen aufnehmen kann, ohne besondere Vorlieben. Damit darin auch Platz ist für die Bedürftigsten und Verlassensten, selbst wenn sie am anderen Ende der Welt leben. Gerade für sie erbitten wir die Berührung von Gottes Zärtlichkeit.
Die Klausur engt unseren Horizont nicht ein. Im Gegenteil, sie öffnet ihn weiter, als wir in den Ferien selbst reisen könnten.
Herzlich, im Gebet verbunden,
Eure Mönche



